Wire

Wire ist ein kostenloser Instant-Messenging-Dienst, der keine Daten über dich sammelt. Die mobile App ist privater als WhatsApp und kann noch viel mehr als Threema. 

Innovativität: Einstellungsoptionen: Nutzerfreundlichkeit: Design:

Meine Meinung

Wire ist großartig: Es vereint fast alle Funktionen von Snapchat und WhatsApp, gibt aber trotzdem keine Daten weiter. Wo ist also der Haken? Es gibt keinen bis auf einen: Wire macht keinen Spaß, wenn niemand da ist, mit dem man kommunizieren kann. Also: Schnell alle Freunde und Kollegen überreden. Einer muss den Anfang machen.

Ende August erst hat der beliebte Messenger-Dienst WhatsApp seine Nutzungsbedingungen aktualisiert: Die App übermittelt nun bestimmte Nutzerdaten an Facebook, darunter zum Beispiel die Telefonnummer des Nutzers. Wer das nicht will, kann zwar widersprechen, aber der Datenaustausch an sich wird dadurch nicht gestoppt. 

Fakten & Daten

Preis
Sprache
Lernzeit
Arbeitszeit
Ausspielart
Tutorial
Support

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kostenlos
deutsch
5 Minuten
5 Minuten
mobile App, Desktop- und Browser-App
Youtube
Support


zum Tool

Kurzum: Eine Alternative vor allem für den journalistischen Alltag wäre nicht schlecht. Neben der Schweizer App Threema und dem von Edward Snowden empfohlenen Messenger-Dienst Signal gibt es eine dritte, eher weniger bekannte Variante: Wire

Wire stammt aus Deutschland und der Schweiz. Seit rund zwei Jahren arbeiten die Entwickler an der App, die Daten anonymisiert, verschlüsselt speichert und nicht an Dritte weitergibt. Der Code ist Open Source

Da kommt zurecht schnell die Frage auf: Womit will Wire sein Geld verdienen? Bis jetzt unterstützen Investoren das Projekt. In Zukunft sollen Zusatzfunktionen wie beispielsweise eine sichere Cloud für sensible Daten für die Finanzierung sorgen. 

Anschauungsbeispiel

Eine Kreuzung aus Snapchat, WhatsApp und Threema

Wire vereint beinahe alles, was das Messenger-Herz begehrt. Als Nutzer kannst du verschlüsselte Telefonate und Videoanrufe führen, Sprachnachrichten, Videobotschaften und Textnachrichten verschicken oder deine Freunde mit lustigen GIFs oder selbstgemalten Kritzeleien aufheitern. Auch Gruppen - ähnlich wie in WhatsApp - kannst du ins Leben rufen. Persönliche Daten, die Wire von dir dafür will? Keine. 

Willst du, dass deine Nachrichten nicht nur verschlüsselt werden, sondern am besten auch gleich gelöscht, kannst du - ähnlich wie bei Snapchat - die Zeit angeben, wie lange deine Nachricht für dein digitales Gegenüber verfügbar sein soll, nachdem er sie geöffnet hat. 

Hello, Otto, the Bot!

Melde dich mit deiner Handynummer an. Kurz darauf begrüßt dich Otto, the Bot - ein intelligenter Chatbot, der dich spielerisch durch die Funktionen der App führt. Er ist vor allem hilfreich, wenn du noch keinen kennst, der auch Wire nutzt. 

Folgst du den Anweistungen von Otto, hast du innerhalb weniger Minuten das Prinzip der App verstanden: Der Großteil des Bildschirms nimmt das Chatfenster ein und unten am Bildrand sind die Funktionen nebeneinander aufgelistet, die du per Berührung aktivierst. 

Tippen, kritzeln, sprechen

Otto geht mit dir alle Funktionen der Reihe nach durch: Schreibe ihm eine Nachricht, schicke ihm ein Foto oder ein Video, male ihm ein Bild, schicke ihm ein GIF oder hinterlasse ihm eine Sprachnachricht. Auch Anhänge aus Cloud-Diensten wie Dropbox kannst du verschicken oder Otto digital anstupsen ("anpingen"). 

Andere Nutzer fügst du hinzu, indem du auf dem Startbildschirm links unten auf "Kontakte" gehst und nach dem Nutzernamen suchst oder die E-Mail-Adresse desjenigen eingibst. Du kannst auch deine Freunde per E-Mail einladen.  

Darüber hinaus bietet Wire - ähnlich wie WhatsApp - eine Browservariante an (allerdings ohne Verknüpfung mit dem Smartphone) und eine Desktop-App zum Download an (Windows und Mac). Zum Vergleich: Threema gibt es nur als mobile App, Signal-Nutzer sind auf eine Chrome-Erweiterung angewiesen. Überzeugt?

Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Wie viele Menschen Wire für sich entdeckt haben, gibt das sonst so transparente Unternehmen bisher nicht preis. Wahnsinnig viele werden es noch nicht sein, doch bei dieser Kombination aus Datenschutz und zahlreichen Funktionen wird es hoffentlich nicht mehr allzu lange dauern. 

Pro

Wire ist kostenlos, Open-Source, speichert keine deiner Daten und gibt sie nicht an Dritte weiter. Die Bedienung ist simpel und Wire funktioniert sowohl als mobile App für iOS- und Android-Geräte, als Browserapp und als Programm für Mac- und Windowscomputer. Außerdem vereint Wire viele gute Funktionen verschiedener Messenger-Apps: Malen und Videonachrichten ähnlich wie bei Snapchat und Videoanrufe, Sprachnachrichten und Gruppen wie bei WhatsApp - dabei auf einem vergleichbar hohem Sicherheitsniveau wie die Threema-App. 

Kontra

Wires größter Feind ist seine (noch) geringe Nutzerzahl. Es macht keinen Spaß über eine Messenger-App zu kommunizieren, wenn man dort niemanden findet, der mit einem kommuniziert. Das Prinzip ist toll, trotzdem doof, wenn der halbe Kollegen- oder Freundeskreis auf WhatsApp abhängt. Also: Schleunigst die Kollegen überzeugen, einer muss den Anfang ja machen! Abgesehen davon - wenn ich noch einen Wunsch frei hätte: Die lustigen Filter von Snapchat - wenn die auch bei Wire zur Verfügung stünden - ich wäre zumindest total fly

Fazit & Alternativen

Ich kann Wire fast uneingeschränkt empfehlen. Dadurch, dass es Wire sowohl für iOS- als auch für Android-Nutzer gibt, kommt zumindest die Mehrheit der Smartphone-User auf ihre Kosten. Schade nur - wie erwähnt - dass bisher so wenig Wire kennen. 

Für den journalistischen Gebrauch mag die App Snapchat interessant sein (Achtung: Datenschutz ade). Wer zuviele Messenger-Dienste nutzt und sie sinnvoll vereinen möchte, dem sei Franz angeraten, ein Desktop-Programm, dass Chat-Programme unter einem Dach bündelt. 

Wer journalistisch ein Experiment hätte wagen wollen - das Chat-Interview - hätte bis vor kurzem noch auf die App Talkshow zurückgreifen können. Die Anwendung macht Chat-Gespräche öffentlich. Leider stellt das Entwicklerteam die App zum 1. Dezember 2016 ein.