TimeMapper

Geschichten, die sich an einer Chronologie entlang hangeln, könnten schnell langweilig wirken. Abhilfe schaffen will das OpenSource-Werkzeug TimeMapper. Damit lassen sich Ereignisse in Kombination mit verschiedenen Medien auf einer Karte darstellen.

Innovativität: Einstellungsoptionen: Nutzerfreundlichkeit: Design:

Meine Meinung

Timemapper ist ein simples Programm, das medial angereicherte Zeitstrahle mit einer Karte verbindet. Es ist leicht zu erlernen und sieht gut aus. Einen Versuch ist es allemal wert.

"Elegante Zeitleisten und Karten in wenigen Sekunden entwerfen" - heißt es auf den Seiten von TimeMapper. In wenigen Sekunden?

Fakten & Daten

Preis
Sprache
Lernzeit
Arbeitszeit
Ausspielart
Support

|
|
|
|
|
|

kostenlos
englisch
15 Minuten
1-2 Stunden
URL, Embed-Code, Twitter-Verknüpfung
Youtube-Tutorial


zum Tool

Das klingt vielversprechend. Vor kurzem hat die Bundesregierung ein Gesetzesentwurf zum Thema Fracking vorgestellt. Außerdem war ich selbst vor kurzem bei einem kleinen Familienbetrieb in West Virginia, der dort  - auch mithilfe von Fracking - Öl und Gas fördert. Bundesregierung, Fracking und West Virginia  - aus dieser Kombination ist diese TimeMap entstanden.

Anschauungsbeispiel

Die Grundlage: das Google-Spreadsheet

Die Anleitung sieht vier Schritte vor: 1. Google-Spreadsheet entwerfen, 2. Google-Spreadsheet veröffentlichen, 3. mit TimeMapper verknüpfen und 4. das TimeMapper-Projekt veröffentlichen. Das Google-Spreadsheet ist dabei das A und O von TimeMapper. Hier laufen die Fäden zusammen. Alles, was auf TimeMapper später zu sehen sein wird, wird im Spreadsheet vorher festgelegt. Hier schreibt man die Textpassagen, fügt darin die Links zu den jeweiligen Medien ein, die man in der Timeline sehen möchte und trägt die Koordinaten für die geografische Verortung auf der Karte ein. Aber der Reihe nach. TimeMappers stellt eine Master-Google-Spreadsheet zur Verfügung, das als Orientierungsgrundlage dient.

Logge dich in deinen Google-Account ein oder erstelle ein neues Konto. Dann öffne das Spreadsheet und klicke auf "Datei" → "Kopie erstellen". Nun gehört das Spreadsheet dir und du kannst darin Änderungen vornehmen. Die Datei liegt ab sofort in Ihrem Google Drive-Account. Das Prinzip ist einfach: Jedes Ereignis auf TimeMapper entspricht einer Zeile im Google-Spreadsheet. Dort trägt man alle Informationen nach Belieben ein. Man gibt dem Ereignis einen Namen (z.B. "Der zweite Ölboom"), bestimmt dessen Datum (z.B. "January 11, 2014" / in der englischen Variante sind Monat und Tag vertauscht), schreibt einen kurzen Text dazu ("Die USA erleben derzeit ihren zweiten Ölboom..."). Man kann zusätzlich Bilder, Audios, Videos und ganze Webseiten einbinden, indem man ihren Link in die Media-Spalte kopiert.

 

Ereignisse und Orte verknüpfen

Das heißt, will man beispielsweise seine eigenen Bilder verwenden, muss man diese erst einmal auf einer Webplattform (zum Beispiel Flickr) hochladen, damit man sie in TimeMapper einbinden kann. Das ist leider etwas nervig und umständlich. Die eingebundenen Medien werden dann von TimeMapper automatisch in die richtige Größe umgewandelt. Beim Ausfüllen der Google-Spreadsheet-Tabelle ist es wichtig, dass man dem jeweiligen Ereignis unbedingt einen Titel und ein festes Datum zuweist. Hält man sich nicht an diese Voraussetzungen, spuckt TimeMapper keine oder eine fehlerhafte Zeitleiste aus.

TimeMapper bietet das interessante Feature, Events zusätzlich mit Orten auf einer Karte zu verknüpfen. Als Grundlage dient Google Maps. Will man einem Event zum Beispiel einem Ort zu ordnen (z.B. "West Virginia"), trägt man die Koordinaten in die entsprechende Stelle im Spreadsheet ein (in unserer Tabelle unter Location).

Sind alle Infos drin? Dann muss das Google-Spreadsheet veröffentlicht werden, damit es überhaupt in TimeMapper eingebunden werden kann. Klicke auf "Datei" → "Im Web veröffentlichen" und dann im sich öffnenden Fenster auf Jetzt veröffentlichen. Es erscheint unten im aktiven Fenster eine URL, die du kopieren musst.

Publizieren

Diese Adresse fügst du dann auf der TimeMapper-Webseite unter Punkt 2. Connect and Costumize ein. Wenn bis dahin alles glatt gelaufen ist, kann man nun auswählen, wie das Projekt dargestellt werden kann. Eine TimeMap, wie in unserem Fall, ist eine Timeline zusammen mit einer geografischen Verknüpfung der Geschehnisse auf einer Karte, eine Timeline ist genau das gleiche nur ohne geografischen Kartenbezug und Map zeigt die Ereignisse nur auf einer Karte an, ganz ohne interaktive Zeitleiste.

Tricks für Pros
Die Koordinaten für Verknüpfungen auf der Karte kann man ganz einfach herausfinden, indem man mit der rechten Maustaste in Google Maps auf den Ort klickt und "Was ist hier?" auswählt. Unter dem Suchfeld wird eine Infokarte mit den Koordinaten angezeigt. Diese einfach rauskopieren und in das Google-Spreadsheet einfügen.

Außerdem muss man sich entscheiden, mit welchem Datums-Schema die jeweiligen Geschehnisse angezeigt werden könnten. Blöd dabei ist: Man muss in jedem Fall ein bestimmtes Datumsformat anwählen und ein genaues Datum angeben. Arbeitet man jedoch mit Ereignissen, die kein konkretes Datum vorweisen, muss man sie dennoch mit einem konkreten Datum versehen, damit sie fehlerfrei in der Timeline angezeigt werden. Am Ende klickst du auf Publish. TimeMapper lädt nun eine Seite, die ab sofort öffentlich einsehbar ist.

Du kannst den Link nun verschicken oder die Seitenadresse in deine Webseite einbinden. Klicke dafür auf den Embed-Button oben rechts, kopiere den Code und füge ihn in deiner Webseite ein. Nun sollte die TimeMap beim Aufrufen der Seite geladen werden.

Pro

"Elegante Zeitleisten und Karten in wenigen Sekunden entwerfen" - das ist zwar nicht ganz richtig. Ein, zwei Stunden Produktionszeit trifft es schon eher. Doch eins ist sicher: Mit TimeMapper kann man relativ schnell und ohne großen Aufwand eine hübsch aussehende und interaktive Timeline gestalten, in der der Nutzer zwischen den jeweiligen Ereignissen hin- und herklicken kann. Die Verwendung von Google-Spreadsheets kann sich vor allem dann auszahlen, wenn man mit mehreren Menschen an einer Timeline bastelt, da alle gleichzeitig auf das Dokument Zugriff haben können.

Kontra

Die Verknüpfung mit Google-Spreadsheets hat einige Nachteile: Man braucht ein Google-Konto, damit man überhaupt ein Spreadsheet aufsetzen kann. Da die Veröffentlichung der Spreadsheets für die Verknüpfung mit TimeMappers notwendig ist, kann im Prinzip jeder auf das Spreadsheet zugreifen und die Daten manipulieren. Investigative Rechercheergebnisse lassen sich wohl so zum Beispiel kaum aufbereiten. Hinzu kommt der geringe Gestaltungsspielraum bei den Layoutoptionen (wie die verpflichtende Datumsangabe bei Ereignissen). Die starre Struktur, mit der TimeMapper arbeitet, macht es anfangs leicht damit zurechtzukommen. Doch schnell stolpert man genau über diese und stößt gestaltungstechnisch sehr schnell an seine Grenzen. Nervig ist auch, dass alle Medien über Links eingebunden werden. Wenn man eigene Dateien verwenden will, muss man sie zunächst hochladen und das kostet Zeit. Für Redaktionen, die ihre eigene Inhalte produzieren und verwalten, könnte der Gedanke Kopfschmerzen bereiten, dass man die einzubindenden Medien zunächst extern speichern muss, damit man sie in die Timeline einbetten kann.

Bleiwüsten abonnieren:

Fazit & Alternativen

TimeMapper ist ein kostenloses und simples Tool. Ersteres ist toll. Zweiteres nicht. Zu schnell stößt man an Grenzen. Layout-Veränderungen sind nicht möglich – das schmerzt wohl am meisten.

coole Beispiele

Alternativen gibt es einige. Aus dem Hause der Knight Lab Foundation kommen gleich drei: SnapMap, Timeline JS und StoryMap JS. Bei dem ersten handelt es sich um eine sehr simple Bilderzeitstrecke auf einer Karte. Bei Timline um einen TimeMapper-Verschnitt ohne Karte und bei StoryMap um den mächtigen Bruder. Dieses Programm kann fast alles besser. Ist aber auch deutlich anspruchsvoller.

Ein weiteres Timeline-Programm ist Line, das wir guten Gewissens als besseren Ersatz empfehlen können.