Talkshow

Talkshow ist eine Messenger-App für iOS, mit der Journalisten öffentliche Chat-Gespräche und Interviews führen können. Die Chatverläufe lassen sich in Webseiten einbetten. 

Innovativität: Einstellungsoptionen: Nutzerfreundlichkeit: Design:

Meine Meinung

Messenger sind derzeit die wahrscheinlich am heißesten diskutierte Plattform des Journalismus: Bots, die neue Resi-App, Whatsapp-Reportagen und Vermarktung. Umso mehr überrascht, dass das öffentliche Chatgespräch noch kein häufig angewendetes journalistisches Format ist. Talkshow ist deswegen wohl noch ein Geheimtipp.

Es gibt ein neues Format im Journalismus! Es heißt: Chatinterview. Na gut, ganz neu ist es nicht. Jetzt.de macht es bereits auf seiner Webseite vor. 

Fakten & Daten

Preis
Sprache
Lernzeit
Arbeitszeit
Ausspielart
Tutorial
Support

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kostenlos
englisch
5 Minuten
30 Minuten
URL, Embed
Youtube
Help


zum Tool

Sicher bist du schon einmal darüber gestolpert. Hier das letzte Beispiel. Regelmäßig publiziert das Jugend-Team der SZ Gespräche im Messenger-Stil zu den latent akuten 💋-😎-🎓-👶-💅-👙-Themen. Journalistisch interessant daran ist aber eher das Format. Wie bei Whatsapp, Facebook oder iMessage sieht der Leser einen Chatverlauf. Mit Emojis, GIFs und dem typischen Zungenschlag, den wir nur in Chats anwenden. Jetzt.de verwendet dafür eine stark komprimierte Bilddatei. Das funktioniert. Geht aber besser. 

Seit dem Frühjahr dieses Jahres gibt es "Talkshow". Ausgedacht hat sich Startup und dazugehörige iOS-App Michael Sippey – der ehemalige Vice-President Product von Twitter. Das Prinzip: Menschen chatten, andere schauen zu. 

Anschauungsbeispiel

Ein Gespräch starten

Ok, thematisch ist das leider wenig gehaltvoll. Wie jedes Format lebt auch dieses vom richtigen Inhalt. Aber das Prinzip ist journalistisch interessant. Vielleicht diskutieren 2021 die Spitzen der Parteien nicht mehr in einer inszenierten TV-Elefantenrunde sondern in einem moderierten Chatinterview. Inhaltlich flacher kann es ohnehin nicht werden. Aber auch ein paar Nummern kleiner gibt es tausend und eine Anwendungsmöglichkeit. 

Willst du ein Gespräch oder Interview öffentlich via Talkshow führen, brauchen du und alle Teilnehmer ein Apple-Gadget. Hast du die App heruntergeladen und dich angemeldet, kannst du "Shows" starten und deine Gesprächspartner einladen. Spannend dabei: User können nicht nur später das fertige Produkt sehen, sondern auch während der "Talkshow" kommentieren. Die Reaktionen siehst du, wenn du mit einem Wisch nach rechts swipst. 

Ein Gespräch verbreiten

Was dann folgt, hängt ganz von dir ab. Solche Formate leben natürlich davon, dass du den Stil eines normalen Chats beibehältst. Also: sehr persönlich, emoji-aufgeladen und mit den stilsicher eingesetzten Portion GIFs. Denke daran, dass Chats viel kürzere Antwortblöcke als normale Interviews haben. Lass deinen Gesprächspartner bloß nicht monologisieren. Dafür ist das Format nicht geeignet. 

Ist das Gespräch fertig, kannst du es leicht via Twitter und Facebook verbreiten. Für dich aber wohl wichtiger ist der dritte Button unten im Bildschirm. Nach einem Klick, zeigt dir Talkshow einen Einbettungscode. Du kannst dich zwischen einem vertikalen und einem horizontalen Fenster entscheiden. 

Beachte, dass das Smartphone als Rahmen – wie es oben zu sehen ist – nicht mitgeliefert wird. Den Rahmen habe ich lediglich dazucodiert, weil es so in meinen Augen besser aussah.

Ein Gespräch redigieren

Am besten bietet sich bei diesem technischen Format natürlich ein Interview an. Dabei für Journalisten besonders interessant: Interviewpartner können hier nicht redigieren oder authorisieren lassen. Was geschrieben wurde, ist öffentlich. 

Tricks für Pros
Statt der zwei vorgegebenen Einbettungs-Fenster kannst du das Anzeigefenster deines Chats auch individualisieren und die Darstellung nach Belieben größer machen. Am Ende der URL gibt es zwei Zahlen, die du anpassen kannst. Willst du, dass sich das Fenster so breit wie möglich auf dem Dispay deines Nutzers macht, schreibe: width=100%.

Auf der anderen Seite kannst du als Journalist auch nicht langweilige Blöcke später wegstreichen. Spricht dein Interviewpartner streckenweise nur in Marketing-Phrasen, werden User an diesen Stellen später womöglich aussteigen. Da musst du bereits bei der Gesprächsführung aufpassen. Schneiden, weglassen, redigieren geht hier nicht. Der feuchte Traum vieler AfD-ler wird wahr. 

Mehr noch als in normalen Interviews solltest du dir also vor dem Start einen Fahrplan machen, welche Punkte du in welcher Reihenfolge ansprechen willst. Auf der anderen Seite kann es jedoch auch reizvoll sein, Input von Usern spontan einfließen zu lassen. 

Pro

Ich finde die Idee eines öffentlichen Chatinterviews ziemlich gut. Sie ist simpel – genau wie die App – und sehr persönlich, weil Menschen im Chat meist mehr Kanten zeigen als in glatt gebügelten Interviews. Talkshow selbst ist eine solide programmierte App, obwohl sie sich noch sehr jung ist. Sie kann wenig mehr, als sie verspricht – aber das sehr gut. 

Kontra

Erstellen kannst du "Talkshows" nur auf iOS, Androids müssen warten. Zudem habe ich bisher noch keinen Chatverlauf gesehen, der mich wirklich gefesselt hätte. Die Themen, die bisher über den Talkshow-Twitter-Kanal gepusht wurden, sind flach bis langweilig. Da hilft auch kein neues Format. Gelesen habe ich nicht eins. Wie immer ist Form ohne Inhalt nichts. 

Fazit & Alternativen

Ich find's toll. Und werde versuchen, es bald auszuprobieren. Vielleicht entdeckt ihr ja bald auf Gründerszene.de Deutschlands erstes Talkshow-Interview. 

coole Beispiele

Das Format hat sicher seine Tücken. Nicht zu redigieren, dürfte schwierig werden. Und auch nicht zu langweilen, könnte nicht ganz leicht sein. 

Alternative kenne ich keine. Soweit ich weiß, ist das die erste App, die das öffentliche Chat-Interview anpackt. Wenn du mehr weißt, melde dich.