Snapmap

Es gibt Multimedia-Programme, die versuchen den Onlinejournalismus neu zu erfinden. SnapMap will das nicht. Die interaktive Instagram-Bilderstrecke besticht durch simpelste Handhabung und minimalen Arbeitsaufwand. Trotzdem ist ihr journalistischer Nutzen bei richtigem Einsatz nicht zu unterschätzen.

Innovativität: Einstellungsoptionen: Nutzerfreundlichkeit: Design:

Meine Meinung

SnapMap ist ein kleines aber feines Tool, um schnell mit einer schicken interaktiven Bildergalerie Eindruck zu schinden – nicht mehr und nicht weniger.

Nicht mehr lange und in Berlin startet wieder der große Marathon. Stell dir vor, die Bildredaktion hat dir zwei Dutzend schöner Bilder geschickt, die du nun möglichst kreativ-innovativ verwursten sollst.

Fakten & Daten

Preis
Sprache
Lernzeit
Arbeitszeit
Ausspielart
Support

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kostenlos
englisch
1 Minute
20 Minuten
URL, Embed, Twitter, Facebook
Nope


zum Tool

Vom Startschuss über die obligatorischen Kreislaufzusammenbrüche bei Kilometer 1,1 bis zum Überraschungssieger Klaus Wowereit. Nie im Leben, sagst du? Doch, alles kein Problem, SnapMap ist das Tool der Stunde.

Wie die bereits auf diesem Blog vorgestellten Programme TimeMapper, JuxtaposeJS, SoundCite und StoryMap JS stammt es aus der Ideenschmiede der Knight Lab Foundation und ist im Grunde eine kleine Abwandlung von StoryMapJS. Doch sieh selbst. Hier ein Beispiel einer Bilderstrecke von Fotos meiner letzten Recherchereise nach Somalia

Anschauungsbeispiel

Trick: Verlinkung über Geotagging-Funktion

Ähnlich einer Bildergalerie ruft der User Bilder und ihre dazugehörigen Standorte auf. Das Ganze funktioniert über die Geo-Tagging-Funktion von Instagram – wobei die Maximalgrenze der angezeigten Bilder bei 20 liegt. SnapMap liest die Daten aus Instagram aus und bannt sie auf eine Karte. Du selbst musst fast nichts tun. Einsatzmöglichkeiten sind neben bildstarken Reisereportagen beispielsweise digitale Führungen durch das neue Berliner Stadtschloss oder Lesereinsendungen mit den schönsten Graffiti deiner Stadt.

SnapMap liest – wie bereits erwähnt – die 20 jüngsten geo-getaggten Bilder eines Instagram-Accounts aus. Das heißt, du kannst auch Accounts verbildern, zu denen du keine Zugangsdaten hast. Wahrscheinlich wünschenswerter ist es jedoch für Journalisten, selbst erstellte Accounts und eigene Bilder zu versnapmappen. Leider tendiert SnapMap bei den Einstellungsmöglichkeiten gegen Null, sodass du beispielsweise nicht auswählen kannst, welche Bilder in welcher Reihenfolge aus deinem Instagram-Account dargestellt werden sollen. Es erscheinen die letzten 20 gegeo-taggten Bilder – unveränderlich – in chronologischer Reihenfolge.

Ein Dummy-Instagram-Account

Es empfielt sich also einen Dummy-Account bei Instagramm zu erstellen und bis zu zwanzig der gewünschten Bilder in der vorgedachten Reihenfolge hochzuladen und zu vertaggen. Sei aber gewarnt: Instagram macht es dir unmöglich, Bilder mit Geo-Locations zu vertaggen, die nicht in der Nähe sind. So soll Authentizität sicher gestellt werden. Für SnapMap ist das aber ärgerlich, denn so musst du deine Bilder stets sofort hochladen oder den Umweg über StoryMapJS gehen, wo du alles – auch Geo-Locations – einstellen kannst.

Mach dir zudem Gedanken über den Beschreibungstext. Dieser wird später unter dem Foto mit ausgespielt. Sind alle Bilder hochgeladen, brauchst du nur noch den Namen deines Dummy-Accounts bei SnapMap einzufügen und das Programm spuckt dir die fertige, interaktive Karten-Bildergalerie aus.

Diese kannst du nun über den Link, Twitter oder Facebook verbreiten und über den mitgelieferten Embed-Code in deine Seite einbetten. Beachte, dass sich die Auswahl der Bilder in der SnapMap-Bildergalerie ändert, wenn du neue Bilder auf den Dummy-Account hochlädst. Für jede SnapMap empfiehlt es sich also ein neues Konto einzurichten.

Die kleine Schwester von StoryMap JS

Nicht nur am Design lässt sich erkennen, dass SnapMap ein Unterprogramm von StoryMap JS ist. Unten rechts im Fenster der fertigen SnapMap gibt es einen Button, der es dir ermöglichen soll, die Daten des Instagram-Accounts in eine StoryMap umzuwandeln und dort weiter zu bearbeiten.

Bei unseren Versuchen hat sich dieser Button aber als defekt erwiesen. Wer seine SnapMap also individuell gestalten will, sollte dies gleich von Anfang an in einer StoryMap tun. Die ist jedoch im Gegensatz zum fixen Auslesen von SnapMap ein zeitaufwendiges Vergnügen.

Pro

Durchdacht, schön und vor allem schnell: Das ist SnapMap. Die interaktive Bildergalerie ist responsiv – passt sich also dem Browser an. Der Umweg über Instagram ist sinnvoll und ärgerlich zugleich. Einerseits kann er bei einem gut geführten Account viel Zeit sparen, andererseits muss zuweilen ein eigens für SnapMap hergestelltes Konto her, will man die Bilderauswahl selber bestimmen. Die Verknüpfung der Bildergalerie mit einer Karte eröffnet neue Möglichkeiten des Storytellings. Sei es, um historische Bilder einer Straße als virtuelle Stadtführung geografische zu verorten oder um Lieblingscafés der Leser mit Bild auf eine Karte zu bannen. Einsatzmöglichkeiten gibt es genug. Ein weiterer großer Pluspunkt für SnapMap: In Deutschland ist das Programm komplett unbekannt. Zumindest uns ist noch kein Einsatz des Tools bekannt.

Kontra

Wie so häufig kranken Programme aus dem Hause Knight Lab an fehlenden Layouteinstellungen. Der Minimalismus der Entwickler in allen Ehren, doch ein paar Knöpfe zum Drücken würden unsere Herzen höher schlagen lassen. Ein weiteres Manko ist die fehlende Auswahlmöglichkeit der hochzuladenden Bilder. Wer sich hier nicht an die starre Chronologie des Instagram-Accounts halten will, muss sich beim potenteren, aber komplizierteren StoryMap JS versuchen. Dass Instagram kein späteres Geo-Tagging fern der eigenen Position zulässt, kann man den Entwicklern von SnapMap nicht vorwerfen, ist aber trotzdem ärgerlich. Die Bilder für das Anschauungsbeispiel oben wurden leider über das Vehikel StoryMap JS nachgebaut, weil es mir nicht möglich war, sie aus Somalia selbst zu posten. Auch sind die Kartenausschnitte zuweilen zu klein und bei stark wechselnden Orten eher verwirrend als erhellend. Scrollstufen zum Einstellen findet man – erwartungsgemäß – nur bei StoryMap JS. Auch, dass die Bilder selbst auf der Desktop-Version nur als kleine Thumbnails erscheinen, ist schade. Ein Maximierungs-Button wäre hier klasse gewesen.

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Fazit & Alternativen

SnapMap eignet sich für Bildergalerien der besten Stadtshots der Leser, Reisereportagen, virtuellen Stadtführungen, das private Familienalbum und Bilder vom Frontverlauf in der Ukraine. Thematisch sind dir keine Grenzen gesetzt. Technisch leider schon.

coole Beispiele

Denn SnapMap eignet sich nicht für Bilder ohne geografische Daten. Ohne diese verliert das Ganze seinen Sinn. Auch Bilder, deren Entstehungsorte zwar bekannt sind, deren Lokalität aber keine Geschichte erzählt, solltest du ieber mit einem anderen Programm visualisieren, wie zum Beispiel StoryMaps JS oder TimeMapper.