Lokaler

Lokaler ist ein Browser-basiertes Programm, mit dem du Karten erstellen und editieren kannst. Auch der Import von Geo-Daten ist möglich. 

Innovativität: Einstellungsoptionen: Nutzerfreundlichkeit: Design:

Meine Meinung

Lokaler ist leicht bedienbar und das Kartenmaterial lässt sich ähnlich stark individualisieren wie bei Mapbox. Leider krankt Lokaler noch an einigen Kinderkrankheiten und verlangt Geld für interaktive Einbettungen.

Ein neues Tool aus Berlin ist auf dem Markt, hieß es letzte Woche auf meiner Twitter-Timeline: Lokaler soll dir helfen, Karten zu erstellen und sie deinen Wünschen entsprechend zu editieren. 

Fakten & Daten

Preis

Sprache
Lernzeit
Arbeitszeit
Ausspielart
Testdatum
Tutorial

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Basic: kostenlos
Pro: Verhandlungssache
deutsch, englisch
5 Minuten
15 Minuten
PNG, SVG, Embed
30.06.2017
Youtube


zum Tool

Grund genug, das Programm auf Bleiwüsten zu testen und zu schauen, was es drauf hat. Der Grundgedanke: Im Browser kannst du dir eine Karte farblich zusammenstückeln und danach weitere Inhalte wie Polygone, Textkästen oder Markierungen hinzufügen. 

Lokaler gibt es auch als sogenannte "MapWare" für Redaktionen. In dieser Variante können auch Geodaten via JSON, CSV, RSS oder XML eingespielt werden. So erscheinen dann später auf deiner Karte zum Beispiel auch U-Bahnstationen, Eisdielen oder Wetterstationen – je nachdem, welchen inhaltlichen Schwerpunkt deine Karte hat. 

Als Anschauungsbeispiel dienen dieses Mal der G20-Gipfel und die geplanten Sicherheitszonen um das Kongresszentrum, in dem die Staatsoberhäupter tagen sollen. Nur die Wenigsten werden überhaupt die gelbe Linie passieren dürfen. 

Anschauungsbeispiel

G20G20

I like it colorful!

Lokaler basiert auf dem freien Kartenmaterial von OpenStreetMap. Rufst du den Editor auf, siehst du ein großes Dashboard vor dir, das nach dem WYSIWYG-Prinzip funktioniert. Auf der rechten Seite findest du drei Reiter: "Style", "Content" und "Publish". Unter "Style" erlaubt dir Lokaler alle Elemente deiner Karte einzufärben. Willst du, dass Wälder pink und Flüsse rot, Häuser blau und Straßen gelb sind, so bekommt der Betrachter vielleicht Augenkrebs – doch mit Lokaler ist das kein Problem.

Unter "Content" kannst du dann Objekte über die Karte legen: Polygone, Pfeile, Striche, Texte, Geo-Daten und SVG-Bilddateien sind möglich. Beim Anschauungsbeispiel sind beispielsweise die Sicherheitszonen mit Polygonen erzeugt. Wirklich ärgerlich ist, dass du den Z-Index der Objekte nicht verändern kannst. Hast du also erst einmal ein Objekt angelegt – und wird dieses durch ein anderes Objekt verdeckt –, kannst du es nicht wie sonst üblich via Drag'n'Drop nach "oben" ziehen. So überdeckte beim Anschauungsbeispiel die leicht transparent eingefärbte Sicherheitszone 2 die Beschriftungstexte und die Sicherheitszone 1. Gelöst habe ich es, indem ich die Objekte dupliziert habe. Dadurch rutscht die Kopie im Z-Index ganz nach oben. Ein ärgerlicher Bug. 

Wirklich spannend wird es aber erst, wenn du deine Karte mit Geo-Daten anreicherst. Via Daten-Formate wie JSON könntest du beispielsweise die Standorte von (von Linken) besetzten Häusern rund um das G20-Gelände markieren. So ließe sich dann überprüfen, ob der Protest wirklich nur "einen Steinwurf entfernt" vom G20-Gipfel wohnt. 

Pay me if you wanna move!

Ähnlich intuitiv wie schon der Editor, ist auch der Export. Prinzipiell stehen dir drei Varianten zur Auswahl: PNG, SVG oder iFrame. 

Tricks für Pros
Das Colorieren von Karten verlangt Geduld und einiges an ästhetischem Feingefühl. Wenn du dich inspirieren lassen willst, empfehle ich dir Snazzy Maps. Dort findest du Galerien mit funky eingefärbten Karten.

Allerdings sind die letzten beiden Optionen derzeit nur in der Pay-Version verfügbar. Für Umme bekommst du nur die PNG-Variante, bei der zudem auch noch Bugs auftreten: Hast du beispielsweise eine andere Schriftart für deine Textfelder auf der Karte eingestellt, wird diese beim Download in die Standartschrift Times zurückgesetzt. Für mein Anschauungsbeispiel habe ich deswegen lieber einen Screenshot genommen. Im Vergleich dazu: Der Download sähe so aus.

Wie viel genau die Pay-Version kostet, wollte Lokaler auf Anfrage nicht genau sagen. Allerdings soll im Herbst – nach Abschluss einer Betaphase – ein Freemium-Modell greifen. Dann soll auch der Download von SVGs und das – monatlich limitierte – Einbetten via iFrame kostenlos funktionieren. Die Pay-Version sei für Redaktionen und Agenturen gedacht, so Lokaler-Gründer Lorenz Matzat. Für diese würde ab Herbst eine „niedrige oder höhere dreistellige Summe“ pro Monat anfallen. Ob eine günstigere Premium-Variante für einzelne Journalisten angeboten werde, sei noch nicht klar. Zudem soll Lokaler 2018 als Open-Source-Projekt zur Verfügung stehen. 

Pro

Lokaler ist leicht zu bedienen. Programme wie Maputnik, die Karten ähnlich individuell einfärben können, sind nicht nur auf den ersten Blick weit komplizierter. Auch das Setzen von Objekten wie Polygonen geht leicht von der Hand. Das Profi-Karten-Programm Carto stellt sich dabei weit zickiger an. Auch der WYSIWYG-Editor ist übersichtlich und intuitiv gehalten. Viel Einarbeitungszeit braucht man nicht. 

Kontra

Lokaler krankt an drei Dingen: Anfängerfehlern, Interaktivität und Design. Zum ersten sind da noch Probleme wie der Schriftartenwechsel beim Download. Dass in der kostenlosen Version bisher keine interaktiven Einbettungscode geliefert werden, ist kommerziell vielleicht verständlich, macht das Tool für kleine Redaktionen aber sicher unattraktiver. Hinzu kommt, dass mir das Design zu bieder ist.

Fazit & Alternativen

Lokaler ist ein Tool für Redaktionen, die Print und Online produzieren und sowohl an Downloads via SVG oder PNG und interaktiven Versionen interessiert sind. Denn hier besteht wohl der große Vorteil: Du musst deine Karte nur einmal produzieren, um statische und reaktive Formate zu bekommen. Auch muss man Lokaler zu Gute halten, dass sich das Tool wohl noch in einer Betaphase befindet. Ein paar Bugs werden also hoffentlich noch verschwinden, bevor es im Herbst Ernst wird. 

coole Beispiele

Einen ähnlichen Ansatz (aber ohne die Möglichkeit, Geo-Daten zu importieren) bietet Maps4News, das Gastautorin Sonja Kaute kürzlich vorgestellt hat. Weitere Karten-Tools, die bisher auf Bleiwüsten getestet wurden, sind zum Beispiel StoryMaps, das seinen Nutzern allerdings viel abverlangt und nichts für Einsteiger ist. Auch Carto bekommt eine ziemlich gute Note von uns. Für Newbies empfiehlt sich Maphub, mit dem sich in wenigen Schritten anschauliche Karten erstellen lassen.

Weitere Alternativen sind TimeMapper und MapMe, das auch Videos einbetten kann. Tripline erlaubt es wiederum Reiseverläufe auf Karten darzustellen. Ein weiteres Kartenprogramm, ist MapBox, mit dem sich ganze Geschichten in Pop-up-Fenstern verstecken lassen.