Hindenburg

Hindenburg ist ein ausgereiftes Schnittprogramm für Radio-Journalisten und Podcaster. Das Tool bietet einen grafisch und funktionell reduzierten Editor, erfüllt aber fast alle Wünsche. 

Innovativität: Einstellungsoptionen: Nutzerfreundlichkeit: Design:

Meine Meinung

Hindenburg kommt visuell aufgeräumt und ohne viele Feature-Buttons aus. Trotzdem bietet die Basis-Variante (fast) alle wünschenswerten Funktionen. Power-User, die noch mehr Funktionen wollen, müssen allerdings tief in die Tasche greifen.

Ich bin schon seit einiger Zeit auf der Suche nach guten, aber preiswerten Schnittprogrammen für Videos und Audios, die auf dem Notebook laufen. Cutter-Apps kann ich persönlich wenig abgewinnen. Touchdisplays beim Schnitt sind einfach nicht mein Ding. Ich mag es Frame-genau. 

Fakten & Daten

Preis

Sprache
Lernzeit
Ausspielart
Tutorial
Support

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Basic: 2 - 85 €
Pro: 350 €
deutsch, englisch
10 Minuten
WAV, MP3, AAC
Youtube
Guide


zum Tool

Nun bot sich am vergangenen Montag eine seltene Gelegenheit. Die dänische Audio-Schnittsoftware Hindenburg (Windows und Mac) war am internationalen Tag des Radios (13.02.) im englischen Shop verbilligt zu haben. Statt der üblichen 85 Euro kostete Hindenburg nur symbolische zwei Euro. Da habe ich zugegriffen – und es nicht bereut. Wenn du Bleiwüsten auf Facebook oder Twitter folgst, hast du unsere Nachricht dazu vielleicht gesehen und dir Hindenburg ebenfalls geholt. Ansonsten kommt im nächsten Jahr vielleicht wieder die Gelegenheit. 

Hindenburg bietet eine sehr reduzierte Oberfläche. Als Einsteiger hat man es leicht, als Fortgeschrittener wird man die schlichte Grafik ebenfalls lieben. Profis dürften sich die ein oder andere Zusatzfunktion wünschen. Auch die gab es am Montag vergünstigt für 202 Euro zu haben. 

Anschauungsbeispiel

Hindenburg-Editor-compressor (2)Hindenburg-Editor-compressor (2)

Download, Installation & Editor

Hast du dir Hindenbug gekauft, bekommst du eine Mail mit Link und Passwort. Nach einem Klick auf den Link startet der Download. Installiere das Programm und authentifiziere dich via Passwort. Startest du dann Hindenburg, erscheint ein recht einfach gehaltener Editor. Vier Spuren sind standardmäßig eingestellt. Du kannst aber beliebig weitere hinzufügen. 

Auf der linken Seite kannst du die unterschiedlichen Spuren regeln, auf der rechten Seite hast du vier Container, in denen du Audios für die spätere Bearbeitung ablegen kannst. Das zentrale Feld sind die Spuren mit deinen Audio-Tracks. Hier kannst du leicht via Drag'n'Drop neue Clips hinzufügen, schneiden, verschieben, trimmen und gruppieren. Mach, was du willst. Hindenburg ist ein non-destruktives Programm. Das heißt, die originalen Audios werden nicht verändert, wenn du sie im Editor zerschnippelst oder löschst. Sobald du eine Audioaufnahme einfügst, wird sie zudem automatisch gepegelt. So sind anfänglich alle Audios auf einer ähnlichen Lautstärke. Sprachaufnahmen werden 2 DB höher gepegelt als Musikaufnahmen. 

In der unteren Leiste gibt es eine Steuerungskonsole für die Aktivierung des Podcasts. Willst du Hindenburg professionell nutzen, wirst du aber nicht darum herum, das zu nutzen, was nicht sichtbar ist: Shortcuts. 

Shortcuts, Plugins & Kapitel

Davon bietet Hindenburg eine wahre Fülle. Alle möglichen Tastenkombinationen findest du unter diesem Link. Außerdem kannst du Hindenburg noch mit weiteren Plugins ausrüsten, wenn dir Funktionen fehlen. 

Ein interessantes Feature sind die Kapitel. Damit gibt Hindenburg dir die Möglichkeit, an thematisch passenden Punkten "Kapitelpunkte" zu setzen und zu bebildern. So können Hörer später durch die Audiospur navigieren und sehen, wo sie sich inhaltlich gerade befinden. Für eine detaillierte Erklärung dieser und anderer fortgeschrittener Funktionen empfehle ich dir diesen (langen, englischsprachigen) Artikel

Was nicht so gut ist – und wie viel die Lösung kostet

Einen Malus hat Hindenburg bei der automatischen Pegelung. Die regelt neue Clips auf -23 LFUS herunter. Andere Werte, die nach der Lautheitsrichtline der European Broadcast Union eher in Frage kommen, kann man nicht einstellen. Es sei denn, du holst dir die ProVersion. 

Tricks für Pros
Du hast die Dutzenden Shortcuts schon auswendig drauf? Dann solltest du dir das Buch über Hindenburg reinziehen. Ja, richtig, es gibt ein Buch über alle Funktionen. Na okay, zumindest ein 129-seitiges PDF. Viel Spaß!

Die gibt es gewöhnlich für schlappe happige 350 Euro. Am Montag konntest du sie für 202 Euro upgraden. "Hindenburg Journalist Pro" bietet dir daneben unter anderem noch diese weiteren Features an: Multi-Track-Recording, Lärm-Reduzierung, Anruf-Recorder und weitere Ausspielformate. Eine Diskussion von Radio-Profis über die Vor- und Nachteile der Pro-Version findest du hier. Zudem erlaubt dir das Upgrade, Stimm-Profile zu individualisieren.

Interessant ist das wohl nur für echte Cracks, die aus ihrer eigenen Stimme das klangliche Optimum herausholen wollen.  Bist du – anders als ich – ein Fan davon, auch unterwegs am Tablet oder Smartphone zu schneiden, bietet dir Hindenburg eine App (iOS only). Mit Hindenburg Field Recorder wirst du zum mobilen Reporter und Cutter. 

Pro

Hindenburg ist ein wirklich gutes Tool: übersichtlich, mächtig und für die Bedürfnisse von Radio-Journalisten gemacht. Es spielt in verlustfreien Formaten aus, ist non-destruktiv und schnell zu erlernen. Amateure wie Profis kommen gleichermaßen auf ihre Kosten. 

Kontra

Ach ja, die Kosten. Hast du am Montag nicht zugegriffen, dürfte Hindenberg dich eine ganze Stange Geld kosten. Willst du auf die Proversion upgraden, zahlst du 350 Euro – und bekommst dafür eine Menge an Funktionen, die du nie brauchen wirst. Außerdem wäre es schön, könnte man das etwas triste Design des Editor individualisieren. 

Fazit & Alternativen

Um es kurz zu machen: Ich bin mit Hindenburg ziemlich zufrieden. Für zwei Euro ist das Schnittprogramm ein Schnäppchen, für 85 Euro wäre es mir zu teuer gewesen, weil ich Audios nur gelegentlich schneiden muss. 

Alternativ kannst du dir auch Audicity anschauen, ein destruktives-Schnittprogramm, das ich nie mochte. Daneben gibt es die ziemlich billigen Programme Samplitude SilverCubase 7 LE und das kostengünstige Pro-Tool Reaper. Einen kurzen Test der drei Programme findest du hier