Forensically

Forensically ist ein Browser-Programm mit dem Journalisten Bilder auf Fälschungen und Photoshop-Bearbeitungen überprüfen können. 

Innovativität: Einstellungsoptionen: Nutzerfreundlichkeit: Design:

Meine Meinung

Forensically ist ein Tool für sehr spezielle Anlässe. Doch angesichts zunehmender Propaganda in sozialen Medien und teils gar medialer Kriegsführung wird Verifikation von Bildmaterial immer wichtiger. Aber kaum eine Redaktion kann sich Experten leisten. Forensically hilft auch Laien Fakes von Fakten zu unterscheiden.

Soziale Medien überschwemmen uns mit Bildern. Kaum ein Kater, Krater oder Krake, der oder die kein visuelles Echo im Internet hinterlassen hat. Doch nicht alles ist, wie es scheint. Fakten vermischen sich mit Fakes. Und selten wird so überzeugend gelogen wie mit Bildern. 

Fakten & Daten

Preis
Sprache
Lernzeit
Arbeitszeit
Ausspielart
Tutorial
Support

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kostenlos
englisch
25 Minuten
10 Minuten
online
Youtube
Help


zum Tool

Nicht erst seit dem Ukraine- und dem Syrien-Konflikt wissen wir, dass mit Bild-Manipulation Politik gemacht wird und die Massenmedien für fremde Zwecke eingespannt werden. Und das von allen Seiten. Journalisten aber haben die Pflicht, die Wahrheit zu berichten. Eine schwerer werdenden Aufgabe, denn das Aufdecken von Bild-Manipulation ist eher Kunst als Wissenschaft. 

Nur wenige Redaktionen können sich Experten leisten, die Bilder aus sozialen Medien auf Echtheiit prüfen. Dabei sind bereits Laien in der Lage, mit öffentlich zugänglichen Mitteln vielen Fakes auf die Schliche kommen. Das Programm Forensically sammelt einige gängige Algorithmen, die zum Aufdecken von Bearbeitungen genutzt werden. So können auch Anfänger Fehler finden. 

Das nachfolgende Bild habe ich an drei Stellen manipuliert. Klickst du auf das Bild, werden die Fakes aufgedeckt. Aber schau doch vorerst einmal, ob du die Fehler mit bloßem Auge findest. 

Anschauungsbeispiel

Die Fakes

Ok, der Vogel war ein wenig auffällig. Das menschliche Auge wandert geradezu magisch zu dem Tier, weil hier die Bewegung im Bild stattfindet. Außerdem ist die Sättigung seiner Farben sehr gering. Er ist unnatürlich farblos. Und außerdem, eine Möwe in der Wüste? It's a trap

Aber ist dir der Busch in der linken, unteren Ecke aufgefallen? Und das, obwohl er eine eher schlechte Kopie des Busches im rechten Bereich ist. Am schwierigsten zu erkennen war sicher der ungewöhnlich symmetrische Boden, der einen Grasbüschel und einen Stein gleich zwei Mal zeigt. Die meisten Menschen hätte ohne Hinweis wahrscheinlich gar keinen Fehler gesehen. 

Doch wie hättest du, Journalist, all diese Fehler finden können? 

Auf Spurensuche

Gehe auf die Webseite von Forensically und lade das Bild, das du überprüfen willst, hoch. Ich empfehle dir für den Anfang mein manipuliertes Bild, dann kannst du in der Bildergalerie gleich nachschauen, wie die Fakes sichtbar werden. Ist dein Bild aufgeploppt, kannst du die Datei mit zehn Werkzeugen untersuchen.

In unserem Fall sind drei Werkzeuge besonders wichtig. Sowohl der zweite Busch als auch der "doppelte" Boden sind – wenn auch unterschiedlich erstellt – im Grunde Wiederholungen im Bild. Das nutzen Manipulatoren sehr oft, um Bereiche von Bildern, die verschwinden sollen, zu überdecken. So fängt man leichter die farbliche Stimmung des Bildes auf. Diese häufig auftretende Dopplung enttarnst du mit der "Clone Detection" in der rechten Leiste des Editors (der Suchalgorithmus braucht stets ein paar Sekunden für die Berechnungen!). Falls du es nicht selber ausprobieren willst, findest du in der Bildergalerie Screenshots. 

Spielst du ein wenig an den Einstellungen herum, entdeckt der Algorithmus über kurz oder lang deutliche Übereinstimmungen. Aber Achtung: Je genauer du deinen Algorithmus suchen lässt, desto mehr vermeintliche Fehler findet er auch andernorts, weil sich mal ein paar Pixel doppeln. Nicht alles, was sich lila färbt, ist zwingend gefakt. 

 

Die Pixel-Möve

Die Möve hingegen ist nicht kopiert. Ihr kommst du mit der "Clone Detection" nicht bei. Allerdings erkennst du bereits bei genauerem Hinsehen durch das Vergrößerungsglas "Magnification", dass der Vogel nicht alle Pixel beisammen hat (s. Bildergalerie). Lässt du die "Error Level Analysis" durchlaufen, wird schnell deutlich, dass der Vogel unnatürlich farblos ist. Das typische Hintergrundrauschen aus blauen, roten und grünen Pixeln, das sich auch bei anderen Gegenständen des Bildes findet, fehlt. 

Neben diesen drei Tools gibt es noch sieben weitere Checks, mit denen du ein Bild testen kannst. Welche Werkzeuge was genau aufdecken und wie du mit den anderen Mitteln Fehler findest, erklärt Jonas Wagner, der Schöpfer des Tools, im obigen Video ausführlich. Ein wirklich gutes Tutorial. Eine Liste der Regler und was sie bewirken findest du ansonsten noch hier.

Pro

Forensically ist kostenlos, verlangt dir keine Registrierung ab und speichert deine Bilder weder in der Cloud noch auf einem Server. Hast du dich ein wenig eingeübt, bekommst du mit dem Tool brauchbare, wenn auch selten hundertprozentige Ergebnisse. Und das bei einem Thema, bei dem eigentlich Expertenwissen verlangt wird. 

Kontra

Bild-Manipulation ist eine Kunst. Das Enttarnen leider auch. Willst du fortgeschrittenen Fälschern auf die Färte kommen, musst du dich tiefer mit der Materie beschäftigen. Auch das Interpretieren der Regler und des Outputs ist nicht einfach. Selbsterklärend ist das Programm leider nicht. Ein Tutorial für Fortgeschrittene gibt es nicht. 

Fazit & Alternativen

Die Algorithmen, die Forensically nutzt, sind keine Geheimsache. Auch andere Tools nutzen sie. So übersichtlich und in so großer Zahl versammelt habe ich sie jedoch bei keinem anderen Programm gefunden. 

Andere Tools zum Thema Verifikation haben wir bisher nicht getestet. Der Schöpfer von Forensically empfiehlt jedoch noch Imageforensic und Ghiro. Die BBC nutzt daneben Tineye und Fotoforensics. Wenn du andere Tools nutzt, lass es uns wissen.