Dradiointerview

Dradiointerview ist eine Android-App, mit der du Telefoninterviews in Radio-Qualität aufnehmen kannst. Sie wurde vom Deutschlandradio entwickelt und ist derzeit noch in der Beta-Phase.

Innovativität: Einstellungsoptionen: Nutzerfreundlichkeit: Design:

Meine Meinung

Dass das DRadio eine App für seine eigenen Redakteure entwickelt und künftig der Allgemeinheit zur Verfügung stellen will, ist löblich. Auch dass die App noch im Beta-Status ist, schreckt nicht, da größere Buggs ausbleiben. Einzig Design und der gemeinsame Donwload-Bereich müssen dringend überarbeitet werden.

Sie scheppern. Sie sind verzerrt, teils mit Störgeräuschen unterlegt – Telefoninterviews im Radio sind nicht schön. Doch meist sind sie die einzige Möglichkeit, in kurzer Zeit einen O-Ton des Korrespondenten in Nairobi einzuholen, wenn dort mal wieder die Luft brennt.

Fakten & Daten

Preis
Sprache
Lernzeit
Arbeitszeit
Ausspielart
Support

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kostenlos
deutsch
2 Minuten
5 Minuten
.WAV-Datei
Handbuch


zum Tool

Es führt kein Weg daran vorbei: Das Telefoninterview wird häufig genutzt – zum Leidwesen der Hörer. Um dieses Problem zu lösen, hat das Deutschlandradio eine App entwickelt. "Dradiointerview" lautet der klangoptimierte Name der Audio-Experten. Seit kurzem ist die App für Android-Nutzer im Play Store zu haben.

Dradiointerview verspricht Telefoninterviews in normaler Sprechqualität. Kein blechernder Klang, keine automatisch abgeschnittenen Pegelspitzen. Das Prinzip: Der Korrespondent oder Interviewte installiert die App auf seinem (Android-)Smartphone, nimmt seine Anworten selbst auf und schickt sie dann auf einen Server.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Call-Recorder-Apps muss sich der O-Ton also nicht erst durch die mit technischen Verzerrungen gespickte Funkverbindung quälen und kommt so am Ende in weit besserer Qualität heraus. Bei meinem Test-Beispiel hörst du sehr gut den Unterschied zwischen einer Telefonaufnahme (ich/Fragesteller) und der App-Aufnahme (Tatjana Kerschbaumer/Interviewte).

Anschauungsbeispiel

Einmal App mit alles, bitte!

Da die App noch in der Entwicklung ist, reicht ein Download derzeit noch nicht aus. Damit die App funktioniert, benötigst du eine PIN. Um diese zu erhalten, musst du eine formlose Mail an diese Adresse schreiben. Dir werden dann PIN und Zugangsdaten zum Benutzerkonto zugeschickt. Da die App nicht fertig ist und sich derzeit noch alle Nutzer eine PIN teilen, kannst du derzeit (!) mit dem Zugang auch die Dateien anderer anhören. Das ist ziemlich blöd für Investigativ-Journalisten oder Reporter, die ihre Story nicht gleich mit Kollegen teilen wollen. Die fertige App wird hier sicher Accounts von einander trennen (müssen!).

Da deine Audios also von anderen Radio-Journos angehört werden können, funktioniert Dradiointerview derzeit nur mit einer "gewissen Vertrauenswürdigkeit aller Teilnehmer", so der Projektmanager Tarik Ahmia. Man lasse deswegen auch nur "ausgewiesene Profis zum Testen" zu. Hast du dich als ein solcher Radio-"Profi" ausgewiesen und die PIN erhalten, kann es losgehen. Instruiere deinen Interviewpartner, die App zu installieren.

Wie du die App bedienst

Hat er den Download hinter sich gebracht, begrüßt ihn ein Dashboard, das eine ganze wichtige Sache richtig macht. Es ist so simpel, dass sich jede Erklärung erübrigt. Es gibt vier Buttons: "Record", "Stop", "Wiedergabe", "Senden". Kein Schnickschnack. Dein Protagonist kann kaum etwas falsch machen – es sei denn, er stellt beim Interview die Freisprechfunktion an. Bei meinem Testversuch hat die Protagonistin das Prinzip auf Anhieb und ohne Nachfragen verstanden und fehlerfrei bedient.

Leider versprüht das großartig einfache Layout den Charme der 70er – oder in anderen Worten: Es ist ziemlich crappy. Aber ich will nicht zu viel meckern (still beta!). Besser die App funktioniert und sieht dabei schlecht aus, als anders herum.

Am Ende des Gesprächs muss der Protagonist noch auf "Senden" drücken und die PIN eingeben, die du beim Deutschlandradio erfragt hast. Dann wird die .WAV-Datei unkomprimiert auf den Server des DRadios geladen und steht für dich unter App.dradiointerview.de bereit – zusammen mit den Audio-Dateien der anderen Radio-Journos.

Unbemerkter Abbruch der Aufnahme

Willst du auch deine Fragen in Sende-Qualität haben, musst du die App ebenfalls auf deinem Smartphone mitlaufen lassen und die Spuren später mischen. Bei einem meiner drei Tests sind mir zudem zwei Dinge aufgefallen: So war der Lautstärkeunterschied zwischen mir und der Protagonistin teils sehr groß. Zum anderen brach die Aufnahme beim zweiten Versuch einfach ab, ohne dass die Interviewte es bemerkte.

Tricks für Pros
Derzeit sind die auf dem Dradio-Server gespeicherten Audios noch übersichtlich. Sollten es jedoch mehr werden, notiere dir Datum und Uhrzeit deines Interviews. So findest du deine Daten später wieder.

Die Aufnahmequalität war bei meinem Test deutlich besser als jedes Telefoninterview. Allerdings variiert die Leistung je nach Mikrofon des Smartphones. Wer am anderen Ende nur einen Pappbecher mit Schnur zur Verfügung hat, wird nicht nur Probleme haben, die App zu installieren – auch der Ton dürfte miserabel sein. Hier kann die Software naturgemäß nicht mehr leisten als die Hardware erlaubt. Wenn du genau hinhörst und den Ton laut stellst, bemerkst du sogar kleine Hintergrundgeräusche.

Das zeugt nicht nur von der guten Aufnahme, sondern macht auch ein Problem deutlich: Du musst aufpassen, dass dein (womöglich bei Radio-Aufnahmen unerfahrener) Gesprächspartner nicht unter einer Klimaanlage mit dir plaudert. Da du nicht vor Ort bist, kann da so manches schief gehen.

Pro

Dradiointerview orientiert sich klar an den Bedürfnissen von professionellen Journalisten. Es gibt keine Funktionen, die eh keiner braucht. Alles wichtige ist aber da. Die Bedienung ist so einfach, dass Interviewte schnell den richtigen Knopf drücken. Das Ausspielformat erfolgt in großformatigen WAV-Dateien. Kein komprimiertes MP3 trübt den Radio-Himmel. Die App ist stabil und wird weiterentwickelt. Was will man mehr?

Kontra

Nun, da wäre zum einen eine iOS-Version. Erstaunlich aber wahr: Es soll Menschen geben, die noch immer das Imperium Apple verehren. Wer Dradiointerview nutzen will, muss derzeit hoffen, von seinem Protagonisten nicht veräppelt zu werden. Ebenfalls nicht möglich sind Live-Interviews. Doch das größte Problem (neben dem empörenden Layout) ist der quasi öffentliche Download-Bereich. Das geht nicht. Das muss besser werden.

Fazit & Alternativen

Wenn du Radiojournalist bist, musst du die App ausprobieren. Vielleicht überzeugt sie dich nicht. Aber einen Versuch ist sie wert. Denn sollte sie eines Tages die verbliebenen Ungereimtheiten ausgemerzt haben, behebt sie ein ärgerliches Problem. Wünschenswert wäre es zudem, wenn sich DRadio von dem Name-Dropping verabschiedet und der App einen neutraleren Namen und ein anderes Logo gibt. Nicht jeder Redakteur eines anderen Radio-Senders wird seinem Interview-Partner eine App mit dem Namen des DRadios empfehlen wollen. Auch wenn der Name erst einmal für Seriösität steht und die App so vielleicht schneller angenommen und installiert wird.

Trotzdem könnte das DRadio das Über-den-Schattenspringen üben und sich ein Beispiel an WDR und Pageflow nehmen. Die, auf die es ankommt, wissen, wer der Urheber ist. Bisher ist mir als Alternative nur die MuPro-App der ARD bekannt, die jedoch auf Live-Übertragung zulasten von Audio-Qualität setzt und im Grunde nicht wirklich das Gleiche macht.