Cogi

Audio-Recorder-Apps gibt es wie Sand am Meer. Das Programm Cogi bietet jedoch eine Besonderheit, die beim Aufnehmen von Interviews hilft: Es lässt weg – und erinnert sich an Vergangenes.

Innovativität: Einstellungsoptionen: Nutzerfreundlichkeit: Design:

Meine Meinung

Cogi ist ein gutes Programm, dass sich bei manchen Interviews lohnt. Allzuhäufig verlieren sich Interviewpartner in Einzelheiten oder haben gerade dann etwas spannendes gesagt, wenn der Recoder gerade nicht mitläuft. Hier ist Cogi Gold wert.

Einhundertfünfunddreißig – so viele Aufnahme- und Recording-Apps finden sich alleine im App Store. Wer gegen die Konkurrenz ankämpfen will, muss alles richtig machen und dann noch einen draufsetzen. Genau das versucht Cogi und wartet mit einem innovativen Feature auf.

Fakten & Daten

Preis

Sprache
Lernzeit
Arbeitszeit
Ausspielart
Support

|

|
|
|
|
|

Basic: kostenlos,
Pro: 5 $/Monat
englisch(klein!)
2 Minuten
keine
Datei (Format: .wav)
Tutorial


zum Tool

Der mühselige Teil eines Interviews beginnt zumeist dann, wenn das Interview vorbei ist. Denn nun heißt es das Gespräch nachzuhören, abzutippen, hin- und herzuspulen und die wichtigsten und schönsten Stellen herauszusuchen. Das dauert. Je länger die Tonspur ist, desto mehr Zeit geht mit friemeligen Spulen verloren. Wer sein Interview gar auf dem Smartphone nachhört, wird wissen, wie schwer es ist, selbst mit schmalsten Schwanenhals-Fingern den Player genau an Stelle 5:23 min abzuspielen. Cogi setzt hier an.

Die App in Bildern

Die App, die in der Zeit zurückspringt

Ruft man die App auf, genügt ein Klick auf den Startbildschirm und eine neue Sitzung wird gestartet. Jetzt befindet sich die App allerdings im Lausch-Modus: Heißt, sie hört zu und merkt sich Geräusche und Gespräche – nimmt aber nichts auf. Kommt eine interessante Stelle im Interview, genügt ein Klick auf den Kreis – der sich dann orange färbt – und die Aufnahme wird gestartet. Da man jedoch meist erst nach ein paar Sekunden merkt, dass der Gesprächspartner nun zum spannenden Teil kommt, springt Cogi einige Zeit zurück und fügt der Aufnahme am Anfang einige Sekunden des Gesprächs hinzu, die es im Lauschmodus mit angehört hat. In den Einstellungen kann man zwischen 5, 15, 30 und 45 Sekunden wählen. Bewährt hat sich bei mir der 15 Sekunden-Sprung.

Dank des Switchens zwischen Lausch- und Record-Modus schnurrt die finale Audioaufnahme auf einen Bruchteil des eigentlichen Gesprächs zusammen. Komprimiert auf die wichtigsten Aussagen und somit später leichter und schneller zu bearbeiten. Das Sprung-Feature ermöglicht es gleichzeitig wichtige Teile vollständig aufzunehmen – ganz ohne fehlenden Anfang.

Und sonst so?

Daneben bietet Cogi einige weitere Optionen an: So kann während der Aufnahme App-intern ein Foto gemacht werden, das Cogi der jeweiligen Aufnahme zuordnet. Ich knipse damit meist ein Profilbild der Gesprächspartner und lichte ihre Visitenkarten ab, um alle Informationen zu haben. Cogi verknüpft das Bild dann mit der Audiodatei, sodass es nicht in meiner überfüllten Bildergalerie verschwindet. Weiterhin kann man an die Aufnahme Notizen anhängen – eine Funktion, die allerdings eher Spielerei ist. Auch die Möglichkeit Gespräche mit Hashtags zu versehen und mit Kontakten zu verknüpfen, fällt eher in die Kategorie: Braucht kein Mensch.

Am Ende kann die Aufnahme mit einem langen Klick auf den Multifunktions-Kreis beendet werden. Für das Abtippen ist es nun möglich, sich die Aufnahme mit der App abspielen zu lassen.

Da die Ton-Ausschläge grafisch dargestellt werden, können noch vorhandene Pausen übersprungen werden. Allerdings hat auch Cogi hier das Problem, dass längere Aufnahmen kaum fein zu justieren sind. Wenngleich die Touch-Empfindlichkeit erstaunlich hoch ist. Für alle, die wie ich lieber am Desktop arbeiten, bietet Cogi die Möglichkeit, die Aufnahme samt Notizen und Bildern per Mail, Google Drive, OneDrive, Skype oder Dropbox auf den Rechner zu schieben und so am Desktop zu bearbeiten

Pro-Version, Aufnahme-Qualität und Akku-Nutzung

Am Ende kann die Aufnahme mit einem langen Klick auf den Multifunktions-Kreis beendet werden. Für das Abtippen ist es nun möglich, sich die Aufnahme mit der App abspielen zu lassen.

Da die Ton-Ausschläge grafisch dargestellt werden, können noch vorhandene Pausen übersprungen werden. Allerdings hat auch Cogi hier das Problem, dass längere Aufnahmen kaum fein zu justieren sind. Wenngleich die Touch-Empfindlichkeit erstaunlich hoch ist. Für alle, die wie ich lieber am Desktop arbeiten, bietet Cogi die Möglichkeit, die Aufnahme samt Notizen und Bildern per Mail, Google Drive, OneDrive, Skype oder Dropbox auf den Rechner zu s

Die bis hierhin beschriebene Basic-Version ist kostenlos. Geld wollen die Entwickler über eine Pro-Variante verdienen, die auch Telefonaufnahmen und automatisches Transkribieren ermöglicht – derzeit allerdings nur für Nummern in den USA. Auf Anfrage gab Cogi an, 2015 auch Telefonnummern in Europa unterstützen zu wollen. Warum die Entwickler die Telefon-Aufnahme-Möglichkeit hinter einer Paywall verstecken, ist rätselhaft. Das bieten andere Apps bereits kostenlos an. Hiermit wird sich kaum ein Euro verdienen lassen. Eine Transkription-Option für Deutsch ist derzeit noch nicht vorhanden. Sollte hier "Bedarf vorhanden sein", wollen die Entwickler auch das noch programmieren. Derzeit macht eine Pro-Version für deutsche Nutzer keinen Sinn. Dass die App auch grundsätzlich keine deutsche Sprachversion aufweisen kann, ist schade aber wohl dem jungen Entwicklungsstand geschuldet.

Die Qualität der Aufnahmen ist sehr gut. Selbst wenn man das Interview über eine Distanz von mehreren Metern und durch eine Schrankwand führt. Der Gesprächspartner blieb im Test nach wie vor noch zu verstehen. Allerdings dürfte die Qualität von den handyinternen Mikrofonen abhängen (Test-Smartphone: HTC One m7). Die Datei lässt sich jedoch nur im WAV-Format ausspielen. Wer mehr auf MP3 steht, muss sie später durch einen Konverter jagen.

Dafür gibt Cogi seinem Nutzer jedoch keine Beschränkung hinsichtlich der Anzahl und Dauer der Aufnahmen. Wer möchte, kann den gesamten Speicher seines Handys damit füllen. Auch in der Akkuleistung zeigt Cogi solide Werte. Bei meinem Smartphone reserviert sich die App 0,5 % der Akkuleistung während einer halbstündigen Aufnahme. Das ist ausgesprochen gut.

Pro

Das Switchen zwischen den verschiedenen Modi bietet sich nicht in jeder Gesprächssituation an. Kaum jemand wird es mögen, wenn du ihm gegenüber sitzen und deine Aufnahme je nach Interesse an- und ausschalten. Frontalinterviews sollten folglich mit durchgehendem Aufnahmemodus geführt werden. Doch sobald du auf Feld-Recherche bist, wenn du deinem Protagonisten durch die Ruinen einer Kirche folgen oder sich bei der Besichtigung einer Fabrik die Verarbeitung von Lithium erklären lassen, ist Cogi Gold wert. Denn die meiste Zeit ist man auf dem Weg zur nächsten Fabrik-Maschine oder ihr Protagonist erklärt Ihnen gerade, wo das Klo der Kirche stand. In der richtigen Gesprächssituation und nach einiger Gewöhnungszeit spart Cogi erstaunlich viel Zeit. Die automatische Einstellung, dass die Aufnahme einige Sekunden früher einsetzt, ist grandios. Ohne sie wäre Cogi nur eine unter vielen. Doch während viele Recording-Apps sich nur in Optik und Kleinigkeiten unterscheiden, kann Cogi tatsächlich eine Neuheit einführen.

Kontra

Ärgerlich ist – wie bereits beschrieben – die eingeschränkte Telefonaufnahmemöglichkeit. Ansonsten ist nur wenig zu meckern. Die App macht, was sie soll. Und sogar ein wenig mehr. Die Option, die Benutzeroberfläche durch andere Farben aufzupeppen, wäre wünschenswert. Nicht jeder steht auf schwarz-orangen Business-Look. Doch das sind Kleinigkeiten.

Bleiwüsten abonnieren:

Fazit & Alternativen

Nun, Cogi ist nützlich. Nicht immer, aber häufig. Vor allem das sparsame Aufnehmen dank Rücksprung-Funktion ist eine Inspiration. Ein Programm mit einer ähnlichen Funktion ist uns nicht bekannt. Ebenfalls empfehlen möchten wir RecForge II, das bei uns sehr gute Dienste leistet.

Update, 21.12.2014:

Nachdem der Artikel erschien, erreichte uns eine Mail der Entwickler. Da sie auf die Kritikpunkte eingingen, möchten wir diese Antwort nicht vorenthalten.

The article referenced that phone calls required payment while other apps record for free.  While this is absolutely true, there are technical and business reasons for the difference in how we approach solving this problem.

The technical reason is that there is no reliable way to access the audio streams on phone calls from the cell phone directly (neither for iPhone or Android). Those apps that try to record phone calls for free are only on the Android platform, and they rely on unsupported interfaces in the Android operating system.  As a result, the user is often left with very poor quality recordings, if anything is recorded at all.  And in many cases, the user is required to place the mobile phone in speakerphone mode so the audio playing out of the phone is picked up by the microphone.

[...]

This inconsistency in call recording quality is unacceptable for an application that is looking to deliver ease of use and high quality audio highlights from phone calls. 

[...]

In order to solve this call recording problem, Cogi routes the calls, automatically, through its call servers in order to gain access to the audio streams and to store the audio on our data servers.

[...]

And, as you correctly stated, we plan to offer alternate languages for transcription and world-wide coverage for call highlighting functionality, but like all software companies, we can't get it all done instantly.

Man geht mit Cogi, um bessere Audio-Qualitäten bei Telefoninterviews zu erreichen, also einen anderen Weg bei der Aufnahme. Einen Weg, der technisch schwieriger ist, aber bessere Ergebnisse verspricht. Deswegen biete man dieses Feature nur in der Pro-Version an. Hier hoffen die Entwickler sich durch Qualität von der Konkurrenz abzugrenzen