Chatfuel #2

Nach den Plänen von Google, Microsoft und Facebook sollen Messenger-Bots bald Apps ersetzen. Chatfuel hilft dir selbst einen Chatbot zu erstellen. Im zweiten Teil lernst du, wie du journalistische Formate über Facebook Messenger erstellst.

Teil 1: Chatbots für Telegram
Teil 2: Chatbots für Facebook Messenger

Innovativität: Einstellungsoptionen: Nutzerfreundlichkeit: Design:

Meine Meinung

Chatfuel für Facebook ist weit einfacher zu bedienen als für Telegram und bietet dir viel mehr Möglichkeiten, deinen Bot auf intelligente, automatische Antworten zu trainien. Allerdings musst du den Bot bei Facebook als App anmelden – was ein wenig kompliziert ist.

Nachdem ich in einem ersten Beitrag gezeigt habe, wie du einen Chatbot für Telegram basteln kannst, nehmen wir uns dieses Mal den viel weit verbreiteteren Facebook Messenger vor. Außerdem soll unser Bot nun mehr können, als simple RSS-Feed in die Welt zu posaunen.

Fakten & Daten

Preis
Sprache
Lernzeit
Arbeitszeit
Ausspielart
Support

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kostenlos
englisch
2 Stunden / Review: ~ 1 Woche
keine
Bot
Help


zum Tool

Vielmehr soll er nun mit einem Mensch "chatten" und ihn mit Infos und Bildern beglücken. Er soll ein richtiges Gespräch mit ihm führen und auf Schlüsselwörter selbstständig reagieren. Für Journalisten ist das hochinteressant. So könntest du einen Bot schreiben, der Usern auf Nachfrage beispielsweise die wichtigsten News des Tages erzählt. Oder du lässt deinen Bot eine Reportage über den Messenger erzählen, bei der der User mit seinen Fragen aktiv an der Erzählung teilnimmt. Ein spannendes, neues Erzählformat, das bereits mit Chatfuel möglich ist.

Für einen solchen Bot müssen wir aber zuerst drei Dinge tun. Erstens: mögliche Antworten erstellen. Zweitens: den Bot lehren, wann er was zu sagen hat. Drittens: den Bot bei Facebook als App anmelden. Wenn du den Bleiwüsten-Bot von mir vorher ausprobieren willst, klicke einfach auf das Bild (oder suche den Bot im Messenger-Suchfeld mit "Bleiwüsten") und schreibe ihm eine Nachricht. Fragst du ihn dann nach neuen Tools oder Schlagwörtern wie "Apps", "Bild", "Radio" oder vielleicht "GIF" antwortet er dir selbstständig. Je komplizierter und abwegiger deine Fragen werden, desto schneller versagt seine noch kümmerliche Intelligenz. Er kennt sich eher mit Journalisten-Tools als mit dem Sinn des Lebens aus. ?

Wenn du ihn genug gequält hast, melde dich bei Chatfuel an – und ich erkäre dir, wie du dir selbst deine erste KI baust.

Anschauungsbeispiel

Messenger AnschauungsbeispielMessenger Anschauungsbeispiel

Gesprächsführung

Vor dir sollte nun ein Dashboard erscheinen, das in mehrere Tabs unterteilt ist. Als erstes muss unser Bot lernen, wie er mit Menschen ein Gespräch führt. Chatfuel bietet dir unterschiedliche Antwort-Formate. Es gibt reine Textnachrichten, Bilder, Galerien und externe Quellen wie Twitter, RSS, Youtube und Instagram. Zudem kannst du unter jede Nachricht bis zu drei vom User klickbare Buttons einfügen, die entweder via URL auf eine Webseite verlinken oder – und hier wird es interessant – zu einer anderen Antwort des Chatbots führen.

Der Bot kann also beispielsweise Fragen stellen und entsprechend der geklickten Antwort des Users reagieren. Damit kannst du eine für den User nicht sichtbare Gesprächsstruktur vorfertigen. Mein Bleiwüsten-Bot reagiert zum Beispiel mit einer Textnachricht, wenn er etwas nicht versteht, unter der drei Buttons sind, sodass der User leichter zu den Funktionen durchklicken kann, die der Bot anbietet. Probiere es einfach mal aus: den Bot seltsame Sachen fragen.

Doch nun genug der Theorie, her mit der Praxis.

Begrüßungsfloskeln & Hä?

Für ein ordentliches Gespräch brauchst du am Anfang zwei Standard-Phrasen: Begrüßung und Ich-verstehe-leider-nix. Sobald der Leser dem Bot die erste Nachricht schickt und ihn damit aktiviert, muss der Bot sich vorstellen und sagen, was er kann. Außerdem musst du dem Bot eine Antwort vorfertigen, die er sagen soll, wenn er nicht weiter weiß und die Antwort des anderen Chatters nicht interpretieren kann. Beide Antworten verlangt Chatfuel zwingend von dir. Wenn du dort nichts eingibst, erscheinen Standardantworten auf Englisch. Sonst lässt dir das Programm jedoch komplett freie Hand.

Ich habe meinen Bot so gebaut, dass er die vorgefertigten Antworten via Buttons möglichst häufig verknüpft. Das führte in meinen Tests an Probe-Usern dazu, dass sie sich eher an den vorgefertigten Antworten orientierten, als sich selbst Fragen auszudenken, die vom Bot vielleicht nicht verstanden werden. Denn das frustiert Leser. Wer lässt sich schon gerne von einer inkompetenten Maschine etwas erklären. Menschen haben gegenüber Maschinen noch weniger Geduld als gegenüber Menschen.

Neben simplen Textnachrichten kannst du deinen Bot auch Bilder schicken lassen. Ein interessantes Feature sind zudem die Galerien, wo der Bot eine sliderartige Folge von Text-Bild-Nachrichten verschickt. Fragst du den Bleiwüstenbot beispielsweise "Welche Tools gibt es?", so antwortet er dir mir einer solchen Galerie. Unter jeder Card dieser nach Themen sortierten Galerie befindet sich ein Button, der via Hyperlink auf eine Seite der Webseite führt. Fragst du den Bleiwüsten-Bot nach dem neuesten Tool, so checkt der Bot den RSS-Feed der Webseite und schickt dir eien Antwort, die also jede Woche anders ausfällt. Du kannst über den Bot also auschecken, ob dich das neueste Tool interessiert, ohne auf die Webseite zu gehen, wenn du mobil unterwegs bist und deine Datenrate schonen willst.

Wie intelligent bist du, Bot?

Spannender – und überaus mühselig – wird es, wenn du deine Antworten geschrieben hast, und dem Bot nun beibringen willst, intelligent auf deinen User zu reagieren. Unter dem Tab "AI Setup" kannst du Phrasen, Keywords u.ä. eingeben und dann einen Antwortblock festlegen, mit dem der Bot auf diese Dinge reagieren soll. Leider schwächelt Chatfuel hier. Es ist nicht möglich Hierachien aufzubauen. Auch werden Keywords nicht erkannt, wenn zu viele andere Wörter in der Frage des Users vorkommen. Nutzt der Leser aus Versehen zwei Keywords kann es vorkommen, dass der Chatbot zwei vorgefertigte Antworten hintereinander schickt. Das wirkt nicht sehr intelligent. Auch Deklinationen und Rechtschreibfehler toleriert der Chatfuel-Bot nur bedingt.

Zudem ist es eine unglaubliche Fleißarbeit alle möglichen Formulieren einzuspeichern, die Menschen nutzen, um nach den simpelsten Dingen zu fragen. Bei meinem ersten Probelauf interessierte sich die Userin nicht für Tools und fragte stattdessen nach dem nächsten Restaurant. Da war mein Bot ein wenig verwirrt.

Zudem neigen Menschen dazu, auch wenn sie mit Chatbots reden, ganze Sätze zu formulieren statt in Keywords mit ihnen zu sprechen. Das macht es unseren Bots viel schwerer. Denn Sätze sind technisch gesehen schwer zu interpretierende Geflechte.

Facebooks App-Review

Hast du deine Antworten gebaut und intelligent verknüpft, deinen Bot auf Schlüsselworte trainiert, so bleibt dir nur noch eins zu tun. Du musst Facebook bitten, den Bot als App freitzugeben. Das Netzwerk lässt Chatfuel Bots im Messenger nur zu, wenn es sie vorher geprüft hat.

Tricks für Pros
Chatfuel erlaubt dir nicht, User deines Bots über neue Artikel via RSS zu informieren. Bei Telegram besteht die Option, bei Messenger wollen die Macher keinen Spam erlauben. Ich habe dafür das Programm Manychat hinzugeschaltet, dass nun meinen Bot ebenfalls mit Infos versorgt.

Hast du deinen Bot also fertig gebaut, musst du oben rechts im Dashboard deinen Bot für den Facebook-Review anmelden. Danach führt dich Chatfuel mit einer Anleitung durch die Anmeldung für den Review. Es gilt an den richtigen Stellen Häkchen zu setzen und ein kleines Videos des Bots in Aktion hochzuladen. Das klingt nach ein wenig Aufwand und hat mich tatsächlich noch einmal eine Stunde gekostet.

Danach dauert es offiziell bis zu zwei Wochen, bis Facebook deinen Bot freigibt. Bei mir vergingen keine sieben Tage. Probleme hat Facebook mir nicht bereitet. Das sollte dich also nicht abschrecken. Falls du an einer Stelle nicht weiterkommst, kannst du mich gerne kontaktieren.

Pro

Derzeit sitzen über 10.000 Entwickler an der Programmierung neuer Chatbots, die sicher bald weitaus mehr können, als das, was du mit einigen Keywords bewerkstelligen kannst. Aber dennoch: Chatfuel erlaubt es dir einen funktionierenden, semiintelligenten Bot zu basteln. Je klüger du ihn verstöpselst und die Antwortblöcke kombinierst, desto besser funktioniert er. Die Bedienung ist simpel und logisch. Bugs traten bei mir nur mit externen Diensten von IFTTT aus, das Chatfuel für das Plugin-Format nutzt.

Kontra

Einen Chatbot zu bauen, kostet Zeit. Summa summarum habe ich wohl mehr als 10 Stunden an diesem gesessen. Vor allem der Facebook-Review kostet Zeit. Wer noch nie eine Facebook-App entwickelt hat (wie zum Beispiel ich), wird da ein wenig zu knabbern haben. Ob sich diese trotz der großen Pläne von Facebook, Google und Microsoft durchsetzen, steht noch nicht fest. Auch sind User noch nicht daran gewöhnt, Chatbots zu nutzen bzw. zu abonnieren.

Bleiwüsten abonnieren:

Fazit & Alternativen

Chatfuel hat mich zugegeben ein wenig gepackt. Ich denke, dass das Prinzip der Bots sich in den kommenden Jahre in Kombination mit Sprachsteuerung durchsetzen wird. Bald werden wir frei in den Raum fragen, was uns interessiert. Chatfuel ist ein sympathisches, kompetentes Tool, als Journalist ganz vorne mit dabei zu sein. Es kostet nicht. Nur Zeit.

coole Beispiele

Solltest du den Bleiwüsten-Bot übrigens vorhin ausprobiert haben, hat er sich gemerkt, dass du dich für Journalisten-Tools interessiert und schickt dir nun jede Woche eine kleine Nachricht, dass wenn ein neues Tool erschienen ist. Solltest du das nicht wünschen, kannst du den Chat einfach stummstellen oder blockieren (s. Bildergalerie). Oder du fragst den Chatbot, wann er endlich die Klappe hält.

Alternativen gibt es derzeit kaum welche, zumal Facebook erst seit April Bots erlaubt. Ein Programm, dass die gleichen Funktionen anbietet, kenne ich nicht. Ich nutze für den Bleiwüsten-Chatbot noch Manychat, da mir Chatfuel nicht alle Funktionen bugfrei bietet, die ich brauche.