Media Composer First

Media Composer First ist eine kostenlose Schnittsoftware aus dem Hause Avid. Videojournalisten können sich damit an professionellen Videoschnitt heranwagen ohne dafür tief in die Taschen greifen zu müssen. 

Innovativität: Einstellungsoptionen: Nutzerfreundlichkeit: Design:

Meine Meinung

Eine tolle Möglichkeit, sich an das Profi-Schnittprogramm Avid heranzuarbeiten. Ein Blick auf die Lizenzbedingungen dämpfen allerdings meine Euphorie: Media Composer First darf nur im internen geschäftlichen und privatem Rahmen genutzt werden. Für geschäftliche Zwecke muss dann doch auf die kostenpflichtige Version zugegriffen werden.

Avid und ich – das ist so eine Hassliebe. Ich kenne nicht wenige, die nach Premiere- oder Final-Cut-Erfahrungen zum ersten Mal an einem Avid-Schnittprojekt saßen und schrien: "What the fuck?!" Nur, um daraufhin den Laptop zuzuknallten. Dieses Problem kenne auch ich sehr gut.

Fakten & Daten

Preis
Sprache
Lernzeit
Arbeitszeit
Ausspielart
Testdatum
Tutorial
Support

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kostenlos
englisch
2 Stunden
2 Stunden
MOV, Upload auf YouTube & Vimeo
01.09.2017
Avid-Tutorials
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zum Tool

Anders ausgedrückt: Das Videoschnittprogramm Avid Media Composer ist nicht gerade intuitiv, sehr komplex und macht manchmal Dinge, die man anfangs nicht versteht. (Ich persönlich bin übrigens davon überzeugt, dass Avid ein Palindrom ist und nicht ohne Grund rückwärts gelesen Diva heißt!) Dennoch liebe ich dieses Programm. 

Warum? Wenn man mit Avid umzugehen weiß, kann man sehr viel mit Avid anstellen – mehr als mit anderen Schnittprogrammen. Außerdem gefällt mir, dass es in Avid oft viele verschiedenen Möglichkeiten gibt, zum Ziel zu kommen – eine Sache, die besonders am Anfang irritierend ist. Doch bisher hat mich immer der Preis abgeschreckt, mir selbst die Software zuzulegen. Vor einigen Wochen hat Avid jedoch die kostenlose Software "Media Composer First" herausgebracht – eine abgespeckte Version des professionellen Schnittprogramms "Media Composer". 

Anschauungsbeispiel

Avid_EditorAvid_Editor

Achtung, Avid!

Um die Software für PC oder Mac herunterzuladen, musst du dich bei Avid zunächst mit deiner E-Mail-Adresse registrieren. Daraufhin gelangst du auf eine Seite mit einem Downloadlink. Lade das Programm herunter, installiere es auf deinem Computer und starte die Software. Falls du noch nie mit Avid zu tun hattest, empfehle ich dir, diese kurzen, aber informativen Videotutorials anzugucken. Frust dürfte dir auch erspart bleiben, wenn du vorab diese kostenlose 19-seitige Avid-Einweisung liest. 

Avid zu erklären, würde den hiesigen Rahmen sprengen. Aus vier Jahren Schnitterfahrung habe ich aber ein paar wichtige Grundsätze mitgenommen, die dir hoffentlicht das Arbeiten mit Avid erleichtern: Das Programm ist – anders als zum Beispiel Adobe Premiere – nicht als Drag'n'Drop-Software ausgerichtet, sondern funktioniert am besten mit Tastenkürzeln. Hast du dir die wichtigsten Tastenkombinationen einmal eingeprägt, erleichtert dir es das Schneiden ungemein. 

4 Videospuren, 8 Audiotracks, 6 Bins

Außerdem basiert Avid auf dem Prinzip von sogenanten Bins. Angenommen, du möchtest einen Fernsehbeitrag schneiden. Du hast Interviews gefilmt, warst vielleicht an mehreren Drehorten und willst nun auch noch Musik unter deinen Beitrag legen. Und um dieses Rohmaterial zu strukturieren, dienen dir Bins. Stelle dir Bins vor wie Schubladen, die du nach bestimmten Themen sortierst. Media Composer First erlaubt dir, maximal fünf Bins zu benutzten.

Darin legst du dein Videomaterial ab. Wenn ich einen Beitrag schneide, habe ich normalerweise fünf Bins: Interviews, Drehort 1, Drehort 2, Effekte und Musik. Erst wenn ich mein Material danach sortiert habe, lege ich mit dem eigentlichen Schnitt los.

Auch Audio lässt sich pegeln

Media Composer First bietet dir ingesamt vier Videospuren und acht Audiotracks, das sollte für dich locker ausreichen. Der Editor ist wie jedes andere übliche Schnittprogramm auch aufgebaut: Links hast du Zugriff auf dein Rohmaterial (in deinen Bins), unten mittig ist deine Schnittsequenz, das Fenster links oben zeigt dein Sichtfenster an, das rechte deine geschnittene Sequenz. 

Tricks für Pros
Media Composer First bietet dir zwei Möglichkeiten, mit deinem Rohmaterial umzugehen: Du kannst es importieren oder verlinken. Mein Rat: Verlinken ist besser als importieren. Denn falls du viel oder auch hochauflösendes Videomaterial hast, wird der Import entsprechend lange dauern. Verlinken geht genauso gut und spart dir Zeit.

Bist du mit deinem Videoschnitt fertig, solltest du dich um den Ton kümmern. Du kannst beispielsweise die Lautstärke der einzelnen Clips einstellen. Wähle unter dem Reiter Tools dazu "Audio Mixer", dort kannst du den Ton pegeln. Generell wichtig übrigens bei Avid: Um Änderungen an einzelnen Spuren oder Bereichen vorzunehmen, muss die jeweilige Spur jeweils aktiviert sein. Ob du sie gerade bearbeiten kannst, siehst du daran, ob sie farbig markiert ist. Dein Video exportierst du mit Klick auf File → Export. Als Exportformat stehen dir in dieser Version nur MOV-Formate zur Auswahl. 

Übrigens richtig cool ist, dass du in der kostenlosen Version auch Zugriff auf die wichtigsten Farbkorrekturfunktionen hast. Das bieten nur wenige kostenlose Schnittprogramme wie DaVinci Resolve. Wie genau sich Media Composer First von der kostenpflichtigen Profi-Version unterscheidet, ist hier im Detail aufgelistet.

Es gibt sehr viele Unterschiede zwischen der Vollversion des Avid Media Composer und seiner kostenlosen Variante: Neben der limitierten Anzahl an Audio- und Videospuren, schränkt die kostenlose Version beispielsweise auch die Exporteinstellungen stark ein, so bekommst du "nur" Quicktime-Dateien als Ergebnis (was für viele Zwecke allerding ausreichen wird). Auch die Beschränkung der Bin-Anzahl auf fünf kann bei größeren Projekten (wie eine längere Doku) stören. 

Pro

Media Composer First überzeugt in vielerlei Hinsicht: Es ist kostenlos und verfügt über viele Profifunktionen wie Audiobearbeitung und Farbkorrekturmöglichkeiten, für die man sonst viel Geld hinblättern müsste. Sehr überzeugend und informativ ist auch die sehr aktive Avid-Community, die bei Fragen weiterhilft. Außerdem bietet Avid die Software sowohl für PC-Nutzer als auch für Mac-Nutzer an. 

Kontra

Wie erwähnt – Avid ist nicht so intuitiv wie so manch andere Schnittprogramme. Die Einarbeitungszeit dauert lange. Außerdem: Ein genauerer Blick in die Lizenzbedingungen zeigt, dass die Nutzung des kostenlosen Programms nur für private Zwecke und interne Geschäftszwecke erlaubt ist. Für eine kommerzielle Nutzung müsstest du auf die kostenpflichtige Version zurückgreifen. Das ist schade, aber irgendeinen Haken musste es ja geben...

Fazit & Alternativen

Alles in allem: Avid für Umme, greif zu! Gebe dir genug Eingewöhnungszeit und lerne das Programm kennen. Du hast nichts zu verlieren. Außer Zeit. 

Ein weiteres kostenloses Programm, das wir dir empfehlen können, ist DaVinci Resolve. Bist du vor allem als Mobile Reporter unterwegs, schaue dir am besten einmal LumaFusion an, eine Schnittapp fürs iPhone. Interessieren dich vor allem kurze Erklärclips, probiere die Smartphone-App Adobe Spark Video aus.