Account Analysis

Das von Luca Hammer programmierte Tool kann Twitter-Accounts analysieren und verspricht Einsicht in die Tweet-Gewohnheiten von Usern. 

Innovativität: Einstellungsoptionen: Nutzerfreundlichkeit: Design:

Meine Meinung

Es gibt viele Twitter-Analyse-Tools da draußen – die alle ziemlich ähnlich sind. Das Programm von Luca Hammer wertet jedoch einige Dinge aus, die man sonst eher nicht bekommt.

Weißt du, wann Donald Trump aufsteht? Wann er in den wichtigsten Meetings sitzt? Und wann er schlafen geht? Das Weiße Haus schweigt traditionell zu solchen sensiblen Details. Verraten hat es Donald aber trotzdem. Und zwar: auf Twitter. 

Fakten & Daten

Preis
Sprache
Lernzeit
Arbeitszeit
Testdatum
Support

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kostenlos
englisch
2 Minuten
1 Minute
13.10.2017
Guide


zum Tool

Ganz richtig. All das hat Donald auf Twitter verraten. Nicht bewusst, aber doch so, dass es jeder sehen kann, wenn man genau hinschaut. 

Um genau hinzuschauen bedienen wir uns diese Woche eines kleinen Programms, das Luca Hammer (der immer mal wieder und auch dieses Jahr auf der Re:publica gerne spannende Datenvisualisierungen vorstellt) Mitte September ins Netz gestellt hat. Das Programm – ohne richtigen Namen – analysiert Twitter-Accounts und lässt die sozialen Bewegungsmuster ihrer Besitzer erkennen. 

Anschauungsbeispiel

Und wann geht trumpy Boy jetzt pennen?

Um die Schlafgewohnheiten des US-Präsidenten herauszufinden, musst du dich mit deinem Twitter-Account bei dem Programm anmelden. Dankenswerterweise verlangt das Programm nicht allzu viele Berechtigungen und will auch nichts in deinem Namen twittern. Hast du dich eingeloggt, ist auch schon fast die ganze Arbeit getan. Du kannst nun im oberen Feld einen Twitter-Account deiner Wahl eintragen. 

Dann analysiert dir das Programm die letzten 600 Tweets dieses Accounts – egal wie lange sie zurückliegen und visualisiert dir einige Metadaten. Darunter sind beispielsweise die Uhrzeiten der Tweets. Was wenig spannend klingt, kann aber Erstaunliches zu Tage bringen. Bei Donald Trump sieht das so aus: 

Journalistischer Nutzen?

Nun ist Trumps Account wohl der am meisten ausgewertete der Welt. Journalistisch interessanter kann es aber durchaus werden, wenn man sich aus den weiteren Analysen über genutzte URLs, Tweet-Typen, Sprachen und Interfaces ein Bild von weniger beleuchteten Accounts macht. Wusstest du zum Beispiel, dass Frauke Petry wohl ziemlich viel auf Welt.de liest? Oder dass Barack Obama am Wochenende Twitter-Pause macht, dafür aber unter der Woche von 11 bis 17 Uhr nur am Tippen ist? Und dass er sich viel mehr um #ActOnClimate als um #Obamacare sorgt?

Für Journalisten spannend ist außerdem, wenn sich hinter den Accounts gar keine Menschen verbergen. Da Twitter derzeit von Zehntausenden Bots und ganzen Netzwerken manipuliert wird, ist es zuweilen wichtig, zu verifizieren, ob Accounts nicht nur echt oder fake sind, sondern auch ob dahinter ein betrügerischer Mensch oder eine Maschine sitzt. 

So pushen Bot-Netzwerke manche Themen wie die Flüchtlingskrise oder Merkel-feindliche Hashtags und erzeugen so den Eindruck einer breiten Unterstützung für Hashtags wie #Volksverräter. Viele der Accounts halten einer Analyse mit dem Tool aber nicht stand. So beispielsweise der Nutzer Pat Mair, bei dem sich zeigt, dass er wohl nie schläft und überwiegend auf technisch wenig aufwendige Retweets setzt. @PatMair1 ist kein enttäuschter Bürger mit besorgniserregender politischer Meinung, sondern nur ein Bot. Das gleiche gilt beispielsweise auch für Paul Schneider und Jaques Gelee

Pro

Das Programm von Luca Hammer ist ein spannendes Tool, das mit der zeitlichen Analyse überraschend aussagekräftige Ergebnise bringt. Es ist leicht und schnell zu bedienen. Außerdem ist es kostenlos. 

Kontra

Allerdings eignet sich das Programm nur für ganz spezielle Anlässe – wie die Fake-Account-Analyse. Auch die Beschrenkung auf 600 ausgewertete Tweets ist knapp bemessen. Wenige Ausreißer-Tweets können da bereits das Ergebnis verzerren. Zudem wünsche ich mir weitere Analyse-Funktionen wie eine Visualisierung von Geo-Taggs oder Follower-Anzahl im zeitlichen Verlauf. Auch ein Name für das Programm fehlt. 

Fazit & Alternativen

Das Programm ist ein kleines, spannendes Tool für sehr konkrete Anlässe. Täglich einsetzen werde ich es nicht. Aber wenn ich eines Tages mal überprüfen will, wann meine twitternden Freunde am Sonntag aufstehen, weiß ich, wo ich nachschauen muss. 

Ähnliche Programme haben wir bisher noch nicht getestet. Allenfalls Daniela hat mal eine Software namens Trace my Shadow vorgestellt, mit dem du deine eigenen Spuren im Netz überprüfen kannst.